Der aktuelle Fall am Königsee, bei dem zwei junge Verkehrsteilnehmer bei dem Versuch einem Reh auszuweichen wie durch ein Wunder nur leicht verletzt wurden, hat wieder deutlich gezeigt, dass es notwendig ist, sich über das richtige Verhalten im Straßenverkehr zu informieren. Der Bayerische Jagdverband weist seit langem darauf hin, dass riskante Ausweichmanöver sehr gefährlich sind.
Gerade jetzt, wenn viele unserer heimischen Schalenwildarten wie Reh oder Schwarzwild ihre Jungen führen, steigt die Zahl der Unfälle wieder an. Meist quert das Muttertier zuerst die Straßen, die Jungen folgen in einigem Abstand. Für den Autofahrer ist es jetzt besonders wichtig, mit diesen nachfolgenden Jungtieren zu rechnen und die Geschwindigkeit anzupassen.
In den letzten Jahren kamen bundesweit durchschnittlich rund 200.000 Rehe auf den Straßen der Bundesrepublik zu Tode. Der Präsident des Bayerischen Jagdverbandes, Prof. Dr. Jürgen Vocke, musste diesbezüglich feststellen, dass fast ein Viertel der in Deutschland gemeldeten Wildunfälle in Bayern geschehen. Der ständig zunehmende Verkehr und die immer schneller werdenden Fahrzeuge tragen dazu einen erheblichen Teil bei. „Steht ein Reh auf der Straße und ist es nicht mehr möglich kontrolliert zu bremsen, sollten die Autofahrer auf ihrer Spur bleiben und das Lenkrad fest im Griff halten“, so der Rat von BJV Präsident Vocke. „Oft glaubt der Verkehrsteilnehmer, dass dem Tier nach einer Kollision nicht viel passiert ist, weil er es davonlaufen sieht. Das Wild trägt aber meist innere Verletzung davon und geht langsam zu Grunde“, so Vocke weiter. „Aus Gründen des Tierschutzes ist es daher enorm wichtig, dass auch diese vermeintlich harmlosen Kollisionen gemeldet werden. Mit Reflektoren, Duftzäumen und wildunfreundlichen Straßenrändern versuchen die Jäger des BJV mit privaten Mitteln, das Wild von der Fahrbahn fern zu halten. Bei diesen Anstrengungen sind wir allerdings auf die Zusammenarbeit der Behörden angewiesen.“ Der BJV hat sich in der Vergangenheit im Bayerischen Landtag bereits erfolgreich dafür eingesetzt, dass bei Straßenneubeuten geeignete Querungshilfen eingeplant werden müssen.
Interessante Zahlen:
Auf Nachfrage bei dem Bayerischen Staatsministerium des Inneren wurde mitgeteilt, dass im Jahr 2008 allein in Bayern 57.275 Wildunfälle bei den Polizeidienststellen gemeldet wurden. 500 Personen kamen dabei zu Schaden. Offen blieben dabei die Zahlen der nicht gemeldeten Wildunfälle. Die Wildunfälle in Bayern teilen sich wie folgt auf:
41.000 Stück Rehe, Rotwild und Damwild, 6.600 Hasen und Kaninchen, 3.000 Sauen, 3.000 Füchse, 2.000 Dachse und 734 Vögel wurden polizeilich gemeldet.